Webseitenerstellug für legasthenische Leser

Übersetzung von http://www.dyslexia-parent.com/mag35.html

John Bradford beschreibt die Prinzipien guter Webseitenerstellung für eine legasthenische Leserschaft

Die Ankunft des Internets auf unsere Computermonitoren bedeutet, dass es unter den Schwächen jedes neuen Mediums leidet:

  • Webseiten werden oft hastig zusammengeschustert
  • Webdesigner sind mit der Herausforderung oft nicht vertraut
  • Test wird oft in unlesbaren Formaten präsentiert, selbst in weiß/gelbem Text auf schwarzem Grund
  • sich auf der Webseite zurechtzufinden, ist oft schwierig
  • Einige Werbekunden werden alles tun, wie irritierend es auch sein mag, um die Aufmerksamkeit auf ihre kleine Werbefläche zu lenken
  • Viele Webdesigner betrachten Webseiten eher vom Standpunkt eines Computerexperten statt von dem der normalen Leute, die ihre Seiten lesen werden
  • es wird angenommen, dass jeder, der sich eine Webseite ansieht, in Computernutzung geschult ist
  • Designer werden verführt, alles zu tun, um die Leute auf ihren eigenen Seiten zu halten (sie „sticky“ machen ist der Ausdruck, den sie benutzen), statt hilfreiche Links zu den Informationen aufzuführen, die außerhalb ihrer Seite liegen
  • Und zu guter Letzt werden Webseiten meistens von Männern zusammengebaut. Vielleicht gibt es ein Bedürfnis für ein paar weibliche Beobachtungen, Intuitionen und Empathie über menschliches Verhalten!

Du magst andere Kritiken am derzeitigen Stand des Internets haben. Dieser Artikel wird versuchen, einige Prinzipien guten Webdesigns  aufzuführen, die auf die meisten Webseiten zutreffen, aber speziell auf Seiten, die sich spezifisch an eine legasthenische Leserschaft wenden. Die aufgeführten Beispiele zeigen schlechte Praktiken, und das Layout dieses Artikels soll eine gute Praktik zeigen.

Zeilenbreite

Es gibt nichts Schlimmeres zu lesen als einen ungebrochenen Text, der sich über den Bildschirm erstreckt. Wenn die Augen versuchen, ihm zu folgen, ist es sehr schwierig, bis zur nächsten Zeile zu lesen. Der Fokuspunkt geht in einem Meer aus Text verloren. (Beispiel) (Beispiel)

Vorzuziehen ist eine schmale Spaltenbreite wie auf der Seite, auf der dieser Artikel steht (60-70 Zeichen). Dies ist die Breite, die von Zeitungen verwendet wird, und sie erlaubt es viel einfacher, die gedruckten Zeilen zu lesen.

Blocksatz oder nicht?

Blocksatz bedeutet, dass die Wörter vom Wortprozessor so gedehnt werden, dass die linke und rechte Seite der Spalte gerade Linien sind. Kein Blocksatz, wie auf dieser Seite, bedeutet, dass ein unregelmäßiger Rand rechts bleibt.

Für einen legasthenischen Leser bedeutet Blocksatz mit seinen unebenen Leerräumen zwischen den Worten, dass ein sichtbares Muster weißer Flecken entsteht, welches schwer zu ignorieren ist. Sie lenken den Leser ab, der seinen Fokus verliert.

Test ohne Blocksatz ist viel einfacher zu lesen, obgleich er unglücklicherweise in einigen designorientierten Magazinen nicht der Mode entspricht.

Hintergrundfarbe

Viele legasthenische Leser reagieren besonders sensibel auf hellen Text auf weißem Hintergrund. Dies kann dazu führen, dass die Worte sich zu bewegen scheinen und ineinander verschmelzen.

Diese Schwierigkeit kann vermieden werden, wenn als Hintergrundfarbe kein reines Weiß benutzt wird. Ein leicht abgetöntes Weiß kann einfach verwendet werden (mit dem Code BGCLOR=“#FFFFE5“). Text ist zudem auf gemustertem Hintergrund schwerer zu lesen  (Beispiel.)

Für Seiten, die sehr viel von legasthenischen Jugendlichen oder Erwachsenen benutzt werden, kann ein Item zur Änderung der Hintergrundfarbe der Seite hinzugefügt werden, wie das am oberen Ende dieser Seite (welches gerne kostenlos von anderen Designern kopiert werden darf).

Auch ist es hilfreich, den Seitenhintergrund frei vom unnötigen Objekten oder Bewegungen zu halten.

Schriftart

Unglücklicherweise sind die meisten Computerprogramme darauf eingestellt, Times New Roman als „normale“ Schriftart zu verwenden. Dies ist eine traditionelle Schriftart, die mit Gedrucktem verbunden wird, und sie sieht so aus:

abcdefg hijklm nopqrstu vwwxyz

Du wirst bemerken, dass Times New Roman eine Menge kleiner Verzierungen an den Buchstaben trägt (sogenannte Serifen), was sie schwieriger zu lesen macht. Auch sieht der Buchstabe „g“ eher wie eine 8 azs.

Die Schriftart „Arial“, die auf dieser Seite verwendet wird, ist klarer, erinnert mehr an die Buchstaben, die wir in der Schule lernten, und ist daher vorzuziehen.

Einige legasthenische Leser bevorzugen die Schriftart „Comic Sans“, doch sie mag einigen Lesern etwas kindisch erscheinen.

Verdana hat ein offenes Aussehen und ist eine beliebte Wahl für Webseiten.

Schriftgröße

Die Monitore werden größer, doch noch immer betrachten viele Leute Webseiten auf kleineren Monitoren. Dies macht es schwierig, Text in kleinerer Schriftart als ‚Größe 2‘ zu lesen, ohne ein Vergrößerungsglas zu benutzen.

Dieser Satz ist in Größe 1 geschrieben und verdient die Bezeichnung „Kleindruck“. Unglücklicherweise versuchen Webdesigner, mehr und mehr Informationen auf ihre Seite zu quetschen in der Annahme, ihre Leser hätten dieselben riesigen Monitore wie sie selbst. Es wird immer mehr verwendet.

Vermeide Kursivschrift

Kursive Buchstaben neigen sich schräg zur Seite und werden in Büchern benutzt, um einen Punkt zu betonen. Wenn sie auf einem Computermonitor erscheinen, sind sie für eine legasthenische Person schlecht zu lesen.

Wenn die Textgröße auf 1 reduziert wird, wird der Text praktisch unlesbar.

Kursivschrift sollte möglichst ganz vermieden werden. Schlauer ist es, wichtige Worte fett zu markieren.

Bilder und Zeichnungen

Man muss kein Legastheniker sein, um zu wissen, dass das Lesen einer Seite viel mehr Spaß macht, wenn es Bilder zum Anschauen gibt. Bilder, Flussdiagramme und Piktogramme zeigen, worum es auf der Seite geht. Sie brechen die Seite optisch in kleinere Stücke auf und sind für einen legasthenischen Leser ein wichtiger visueller Stimulus und ein visuelles Gedächtnis für die Zukunft.

Man sieht den Ausdruck der Enttäuschung auf einem Kindergesicht, wenn eine Seite keine Bilder beinhaltet. Unglücklicherweise werden wir mit der Meinung großgezogen, Bücher mit Bildern seien kindisch – Erwachsene lesen Bücher ohne Bilder. Dies mag unter gewissen Umständen angemessen sein, doch selbst in einem langen wissenschaftlichen Artikel ist es eine Erleichterung, zu einem Diagramm oder Graphen zu kommen.

Ein schwer legasthenischer Teenager, der mir zeigte, wie er das Internet nutzte, murmelte vor sich hin: „Bilder… Bilder… Bilder…“, als er den Resultaten folgte, die seiner enthusiastischen Suche nach Motorrädern folgten.

Textboxen oder -blasen

  • Text
    boxes or bubbles can be used for emphasis or to highlight important points.

  • They
    also serve to break up a long section of dense text.

  • Bullet
    points can also highlight key items, especially if they are separated by an extra
    blank space to help clarity.

Bewegliche Bilder

Flackernde oder blinkende Bilder stören nicht nur jeden mit visuellen Problemen, sondern auch jeden anderen. Werbebanner oben auf der Seite scheinen besonders verzweifelt, sich in den Fokus der Aufmerksamkeit zu drängen. Wenn sie nur wüssten, wie abtörnend ihre Tricks sind!

Es gibt auch kleine Effekte, mit denen Bilder sich drastisch verändern, oder bei denen kleine Muster um den Mauszeiger entstehen. Dies macht es ebenfalls sehr schwierig für Leute, die einfach nur die Informationen auf der Seite lesen wollen.

Navigation.

Schwierigkeiten mit dem Richtungssinn plagen legasthenische Leser oft. Wie oft wurden wir alle schon von einem einfallslosen Webdesigner festgesetzt, sodass wir einfach nicht zu der Seite gehen können, wegen der wir auf diese Seiten gekommen sind.

Die goldene Regel besagt, dass es eine simple Linkliste auf jeder Einzelseite gibt, die zu jeder anderen Seite oder Sektion der Page verweist.

Kurze Sätze

Lange Sätze beinhalten mehr als eine Idee. Es ist absolut möglich, lange Sätze in kürzere aufzubrechen. Dies bedeutet nicht, dass die Sätze einer Passage mit längeren Sätzen intellektuell unterlegen sind.

Dieselben Ideen können ebenso klar in kürzeren Sätzen dargelegt werden. Dies gibt dem legasthenischen Leser eine Pause nach jedem Satz. Es gibt ein Limit der Länge eines komplizierten Satzes, den man aufnehmen kann, ehe das Gehirn aufgibt!

Kurze Absätze

Zeitungsgeschichten sind ein gutes Beispiel dafür, wie ein Text aufgebrochen werden kann, um die Lesbarkeit zu erhören.

Es ist normal, dass Zeitungsartikel und Reportagen so aufgestellt werden, dass es einen Absatz nach jedem Satz gibt.

Dies mag nicht mit den Konventionen zu korrektem Englisch oder Aufsatzschreiben übereinstimmen, aber das ist ein anderes Thema.

Die Priorität, wenn es um das Lesen einer Zeitung oder einer Webseite geht, sollte einfache Lesbarkeit sein, und Absätze  – selbst nur einer Zeile bestehend – sollten immer mit einer Leerzeile voneinander getrennt werden. Diese Seite ist dafür ein gutes Beispiel.

Schreiben für Textlese-Software

Schwer legasthenische Leser könnten deine Webseite sehr wohl mit einem Textlese-Browser wie Web Talkster lesen. Obgleich sehr empfohlen, haben diese Software-Programme auch ihre Grenzen, wie etwa die Unfähigkeit, zu erkennen, wo Überschriften enden. Die folgenden fünf Regeln sollen helfen, die Schwächen abzumildern:

  1. Benutze einen Punkt nach jeder Überschrift, damit die Programmstimme eine Pause einlegt und im Tonfall runtergeht
  2. Benutze Semikola, Kommata oder Punkte nach jedem Bulletpoint, um die Punkte voneinander abzusetzen, da sie sonst als Fließtext gelesen werden könnten.
  3. Schreibe Worte nicht ausschließlich in Großbuchstaben, da sie vom Programm als Einzelbuchstaben gelesen werden könnten
  4. Setze Bullet Points mit einem Extraabsatz ab
  5. Benutze einen Punkt nach einem Link, um ihn vom folgenden Text abzusetzen, z.B.

Dyslexia Adults Link.

Dyslexia College.

Der Hauptpunkt einer Textpräsentation besteht darin, dass ihr Inhalt leichtverdaulich dargestellt wird. Auf einer Webseite wird dies am Besten dadurch erzeugt, dass nach jedem oder jedem zeiten Satz ein Absatz eingebaut wird. Klar strukturierte, gut aufgebrochene Seiten mit Text ohne Blocksatz und mit illustrierenden Bildern kann das Websurfen für legasthenische Leser zu einer sehr viel angenehmeren Erfahrung machen.

Feedback, zusätzliche Quellen, Bücher und andere Kommentare sind sehr erwünscht. Bitte benutzt dafür die angegebene E-Mail-Adresse.

John Bradford
(Überarbeitet im Februar 2010)

Quellen:

British Dyslexia Association Dyslexia Style Guide. –

Die Art, in der diese Information produziert wird, ist der Schlüssel, um Verständlichkeit beim Leser zu wecken. Webseitendesign muss all die genannten Punkte zusammen mit den folgenden bedenken.

Studien zeigen, dass Leser einen Text 25% langsamer lesen, wenn er auf einem Computer präsentiert wird. Dies sollte in Betracht gezogen werden, wenn Informationen ins Internet gestellt werden. Wenn eine Webseite fertig ist, überprüfe sie und die Informationen nach ihrer Verständlichkeit, indem du einige simple Dinge überprüfst.

Web Designing for Dyslexia [Webdesign für Legastheniker]. –

Legastheniker empfinden oft Unbehagen, wenn sie lesen, weil es für sie schwieriger ist, die Worte auf einer Seite zu ‚dekodieren‘, und es ist für sie auch schwierig, auf einen bestimmten Textabschnitt fokussiert zu bleiben. Einige Leute müssen sich auch stärker konzentrieren, um in Erinnerung zu behalten, was sie bereits gelesen haben, was bedeutet, dass sie schneller ermüden.

Concise, Scannable, and Objective: How to Write for the Web [Prägnant, ’scannbar‘ und objektiv: Wie man fürs Web schreibt] Studien zur Frage, wie User im Web lesen, sagten aus, dass sie nicht wirklich lesen; stattdessen scannen sie den Text.

• Beyond Guidelines: Advanced Accessibility Techniques [Hinter den Regeln: Fortgeschrittene Techniken zur Verständlichkeit]

• Usability v. Dyslexia [Benutzerfreundlichkeit gegen Legasthenie]. –

Regeln zur Lesbarkeit für Legastheniker kollidieren oft mit den Konventionen zur Nutzerfreundlichkeit auf Webseiten. Meine Aufgabe war es, einen Weg zum Design von Webseiten zu finden, der beiden Regelkomplexen entspricht.

Kurz bevor ich mich am neuen Webseitendesign für die British Dyslexis Association versuchte, las ich Steve Krugs Buch ‚Don’t make me think‘ [Lass mich nicht denken] zur Nutzerfreundlichkeit.

• Current Issues in Web Usability [Derzeitige Fragen in der Internet-Nutzerfreundlichkeit].

Web Accessibility Initiative [Initiative zur Internet-Zugänglichkeit]

Designing More Usable Web Sites [Mehr nutzbare Webseiten designen]

Designing For Dyslexia [Für Legastheniker designen]. Legastheniker empfinden oft Unbehagen, wenn sie lesen, weil es für sie schwieriger ist, die Worte auf einer Seite zu ‚dekodieren‘, und es ist für sie auch schwierig, auf einen bestimmten Textabschnitt fokussiert zu bleiben. Einige Leute müssen sich auch stärker konzentrieren, um in Erinnerung zu behalten, was sie bereits gelesen haben, was bedeutet, dass sie schneller ermüden.

Bücher

Web Accessibility for People with Disabilities [Internetzugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen] –  Von Michael Paciello. Eine Quelle für jeden, der vor der Herausforderung steht, Internetzugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen einzurichten. Enthalten sind Beispiele, die Techniken demonstrieren, HTML-Tags anzupassen, ebenso wie Scripte und andere Codes. Auch werden Forschungen und Entwicklungen im Feld der Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen aufgezeigt.
UK. | USA.

Maximum Accessibility: Making Your Web Site More Usable for Everyone [Maximale Zugänglichkeit: Mach deine Webseite nützlicher für Jedermann] – von John Slatin, Sharron Rush. Dieses Buch bietet praktische Werkzeuge, Designtechniken und Testmethoden, um Webstandards zu implementieren, ohne die Funktionalität deiner Webseite einzubüßen.
UK. | USA.

Dyslexia in the Digital Age [Legasthenie im digitalen Zeitalter] – von Ian Smythe. Dieses Buch führt den Leser zurück zu den Grundlagen, vom Verständnis für die Bedürfnisse des einzelnen Legasthenikers bis hin dazu, das Meiste aus den verfügbaren technologien herauszuholen. Dies tut es, indem der Rahmen theoretischer Perspektiven vorgestellt und durch die praktischen Implementierungen begleitet wird, inklusive Bewertungen der weitverbreitetsten Software-Arten. Enthalten sind eine Fülle praktischer Anleitungen, wie Legastheniker durch Technologiegebrauch unterstützt werden können, inklusive der Frage, wie man das Meiste aus dem herausholt, was verfügbar ist. Es erhellt die neuesten Entwicklungen und was noch getan werden muss, um die Technologie wirklich für jeden Legastheniker möglich zu machen.
USA | UK.

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